‹berschrift

I. Allgemeine Fragen zu HIV/AIDS

II. Behandlung

III. Arbeit und Beruf

IV. KINDERWUNSCH/SCHWANGERSCHAFT

V. Lebensperspektive


I. Allgemeine Fragen zu HIV/AIDS

1. Was ist Aids?

Aids ("Acquired immuno deficiency syndrome", d.h. "Erworbenes Immundefekt Syndrom") ist eine erworbene Immunschwäche. Sie wird durch ein Virus verursacht, das sogenannte HI-Virus ("Human Immuno Deficiency Virus"), d.h. "Menschliches Immundefekt Virus". Viren können sich nur in lebenden Zellen vermehren. Schleust sich das Virus in eine Zelle ein, kann diese ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen, sondern sie wird gezwungen nur noch HI-Viren zu produzieren. Normalerweise bekämpft das Immunsystem in den Körper eindringende Erreger, so auch das HI-Virus. Das Gemeine beim HI-Virus ist aber, dass es vorwiegend die Helferzellen (auch CD4- oder T4-Zellen genannt) befällt. Diese Helferzellen sind für die Bekämpfung von Eindringlingen sehr wichtig, da sie die Abwehrreaktion des Körpers steuern.

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2. Was passiert nach einer HIV-Infektion im Körper?

Nach der Infektion mit dem HI-Virus befindet sich das Virus im Körper und vermehrt sich täglich weiter. Das Immunsystem kann über viele Jahre in der Lage sein, das Virus erfolgreich zu bekämpfen. Einige Menschen leben seit mehr als 15 Jahren mit dem Virus und sind nach wie vor völlig gesund. Das Virus kann aber trotzdem in dieser Zeit an andere weitergegeben werden. In der Regel schafft das Immunsystem es irgendwann nicht mehr, das Gleichgewicht zwischen Virusbildung und Virusabbau zu halten.Dann wird die Menge der HI-Viren im Blut (=Viruslast) immer größer und gleichzeitig werden immer mehr Helferzellen zerstört. In der Folge kann das Immunsystem den Körper nicht mehr ausreichend gegen Krankheiten schützen. Dabei handelt es sich nicht nur um Erreger, die von außen in den Körper eindringen, sondern auch um Krankheitserreger, die schon seit Jahren im Körper schlummern und bislang vom Immunsystem erfolgreich in Schach gehalten wurden. Bei einer fortgeschrittenen Abwehrschwäche ergreifen diese Erreger die Gelegenheit (= Opportunität) und werden wieder aktiv. Die dadurch verursachten Krankheiten nennt man opportunistische Infektionen. Anhand von Blutuntersuchungen kann festgestellt werden, wie stark sich das HI-Virus im Körper vermehrt und das Immunsystem schädigt.

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3. Was ist der Unterschied zwischen HIV-positiv und an Aids erkrankt?

Ist ein Mensch HIV-positiv, heißt das, er/sie hat sich mit dem HI-Virus infiziert. Es sagt jedoch nichts über seinen/ihren Gesundheitszustand aus. Der Verlauf einer HIV-Infektion wird in der Medizin in unterschiedliche Stadien unterteilt. Nur das Spätstadium nennt man Aids. Dann treten bestimmte, sogenannte Aids-definierende Erkrankungen auf, wie z.B. eine bestimmte Form der Lungenentzündung (PcP) oder durch Viren bedingte Krebsarten, wie das Kaposi-Sarkom (ein Gefäßtumor, der häufig bei Männern auftritt und zuerst durch bräunliche Hautveränderungen auffällt) oder Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Es stirbt deshalb auch niemand durch das HI-Virus selbst, sondern an Folgeinfektionen, die sich im Körper aufgrund des geschädigten Immunsystems ungestört ausbreiten können. Ob und wann Erkrankungen auftreten, ist von Mensch zu Mensch oft sehr unterschiedlich. Inzwischen kann Aids in der Regel durch einen rechtzeitigen Therapiebeginn mit antiretroviralen Medikamenten (siehe Behandlung) verhindert werden. Deshalb sterben heutzutage in Deutschland vergleichsweise wenige Menschen an Aids. HIV gilt inzwischen als eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar, aber gut behandelbar ist.

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4. Ist HIV überhaupt noch ein Problem, wo es doch Medikamente gibt?

HIV gilt heute als eine chronische Erkrankung, die ohne Behandlung in der Regel nach wie vor tödlich verläuft. Die Behandlung von HIV ist eine so genannte antiretrovirale (= gegen das Virus gerichtete) Therapie (=ART). Nach dem derzeitigen Stand der Forschung müssen die Medikamente täglich und bis an das Lebensende eingenommen werde. Nebenwirkungen, wie Durchfälle, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Haarausfall können, besonders bei Beginn einer ART oder einem Therapiewechsel auftreten. Um sicherzustellen, dass die Medikamente auch wirken, sind regelmäßige Bluttests und weitere Untersuchungen erforderlich. Bis jetzt ist noch nicht ausreichend bekannt, ob die jahrelange Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten zu unerwünschten Langzeitfolgen führt (siehe auch Punkt II Behandlung).

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5. Was ist ein Aids-Test?

Der „Aids-Test“ heißt korrekt HIV-Antikörpertest. Er sucht nicht nach dem Virus selbst, sondern nach Antikörpern, die sich gegen das HI-Virus bilden. Antikörper sind erst ca. sechs bis vierzehn Wochen nach der Infektion nachweisbar, so dass ein HIV-Antikörpertest erst nach ca. 12 Wochen ein sicheres Ergebnis liefert. Werden bei einem Test diese speziellen Antikörper gefunden und in einem zweiten Test bestätigt, ist das Testergebnis „positiv“ und die Person ist HIV-infiziert. Ist das Testergebnis „negativ“, hat sich die Testperson bis zum Zeitpunkt vor 3 Monaten nicht mit HIV infiziert. Gab es danach noch Risikosituationen, könnte die Person inzwischen HIV-infiziert sein, ohne dass der HIV-Test dies bereits feststellen kann.

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6. Was ist ein Schnelltest?

Bei einem regulären HIV-Antikörpertest erhält man das Ergebnis erst nach einigen Tagen. Inzwischen bieten manche Beratungsstellen auch HIV-Schnelltests an, die bereits nach 90 Minuten ein Ergebnis liefern. Aber auch beim Schnelltest kann eine HIV-Infektion erst nach ca. 3 Monaten nachgewiesen werden. Im Internet verkaufte „Heimtests“ sind aufgrund ihrer Fehlerquote in Deutschland verboten. Auch ist die Durchführung eines HIV-Tests nur in Verbindung mit einer sachkundigen und vertrauensvollen Beratung empfehlenswert. Adressen, wo du anonym und meist kostenlos einen HIV-Test machen kannst, erfährst du bei Aids-Beratungsstellen in deiner Nähe

www.gib-aids-keine-chance.de

www.aidshilfe.de/de/adressen

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7. Kann ich jemanden küssen ohne ihn/sie zu infizieren?

Ja, im Speichel ist zuwenig Virusmaterial enthalten, um jemanden anstecken zu können. Egal, ob Zungenküsse oder wilde Knutscherei... Noch Fragen zu den Übertragungswegen von HIV/Aids

www.gib-aids-keine-chance.de

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8. Kann man sich beim "ersten Mal" infizieren?

Ja, beim ungeschützten Geschlechtsverkehr, also ohne Kondom, ist eine Ansteckung mit dem HI-Virus möglich. Das Risiko steigt, je verletzungsträchtiger die Sexualpraktiken sind und je höher die Konzentration der HI-Viren im Blut und Sperma ist, wie z.B. nach einer frischen HIV-Infektion. Ein geringes Restrisiko besteht, wenn die HIV-positive Person sich in einer wirksamen antiretroviralen Therapie (ART) befindet, so dass die vorhandene Virusmenge im Sperma oder Vaginalsekret für eine Übertragung nicht ausreicht (siehe auch Frage 9.). Damit du den Schutz selber in der Hand behältst, gerade wenn du nicht in einer festen Beziehung lebst, ist es in jedem Fall sicherer, ein Kondom zu benutzen. Noch Fragen? 

www.gib-aids-keine-chance.de

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9. Wie kann ich als HIV-positive_r Sex haben, ohne meine_n Partner_in anzustecken?

Unter bestimmten Voraussetzungen, d.h. wenn: - du deine HIV-Medikamente (= antiretrovirale Therapie ART) immer regelmäßig einnimmst, so dass deine Viruslast (= die Menge der HI-Viren in deinem Blut) seit mindestens 6 Monate unter der Nachweisgrenze liegt - du regelmäßig, d.h. alle 3 Monate deine Blutwerte kontrollieren lässt - bei dir als auch bei deiner Partnerin/deinem Partner keine Schleimhautdefekte, z.B. infolge einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) vorliegen ist das Risiko einer Ansteckung auch ohne Kondom sehr gering. Allerdings sind diese Bedingungen eher in festen und vertrauensvollen Beziehungen überprüfbar. Du solltest darüber in jedem Fall mit deiner Partnerin/deinem Partner und deinem behandelnden Arzt/deiner behandelnden Ärztin sprechen! Näheres dazu findest du unter dem Stichwort: Therapie als Prävention 

www.gib-aids-keine-chance.de/wissen

Ansonsten gilt: Kein Austausch von Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalsekret und Blut. Der einfachste Schutz ist deshalb das Kondom. Ein Kondom verhindert in der Regel auch die Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen, Hepatitis oder Pilze und eine ungewollte Schwangerschaft. 

Noch speziellere Fragen zu Risiken beim Sex? 

www.gib-aids-keine-chance.de/wissen 

Noch speziellere Fragen zu Risiken beim Sex? 

www.gib-aids-keine-chance.de

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10. Muss ich auch dann Kondome verwenden, wenn mein_e Partner_in auch HIV-positiv ist?

Früher wurde die Verwendung eines Kondoms empfohlen, da unklar war, ob Medikamentenresistenzen (d.h. die Medikamente wirken nicht mehr) weitergegeben werden können. Das hätte dann zur Folge, dass bestimmte Medikamente dir nicht mehr helfen, obwohl du sie noch nie eingenommen hast. Heutzutage werden diese Gefahren nicht mehr so hoch eingeschätzt, da die antiretroviralen Therapien sehr gut wirken. Am besten fragst du deinen behandelnden Arzt/deine behandelnde Ärztin nach einer Empfehlung für dich.

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11. Werde ich beim Gesundheitsamt wegen meiner HIV-Infektion/Aids-Erkrankung gemeldet?

Nein, es gibt keine namentliche Meldepflicht bei einer HIV-Infektion/ Aids-Erkrankung, weder für Ärzt_innen noch für die Betroffenen. Bei einem positiven Testergebnis sind die Labore verpflichtet, in einer anonymisierten (nicht namentlichen) Form die Daten an das Robert-Koch-Institut in Berlin weiterzuleiten. Der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin bekommt die Durchschrift vom Labor und ergänzt gegebenenfalls wichtige Informationen, wie Geschlecht, Alter etc. Die Daten werden zu statistischen Zwecken gesammelt, u.a. um die Entwicklung der HIV-Infektionen bundesweit beobachten zu können. Weitere Informationen zum Infektionsschutzgesetz (IfSG): unter www.rki.de/

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12. Gibt es viele Jugendliche, die HIV-positiv sind?

Laut Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es in den Jahren von 2001 bis Ende 2013 in Deutschland in der Altersgruppe der 15 – 19 Jährigen 629 gemeldete HIV-Neudiagnosen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch mehr HIV-positive Jugendliche gibt, die sich bislang nicht haben testen lassen und daher nichts von ihrer HIV-Infektion wissen. Auch hat nicht jedes Labor alle Daten immer an das Robert-Koch-Institut weitergeleitet, so dass die Anzahl der HIV-positiven Jugendlichen in Deutschland größer sein dürfte. Weitere Informationen unter: www.rki.de/

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II. Behandlung ehaBa

13. Ist Aids inzwischen heilbar?

Nein, es gibt immer noch keine Medikamente, die die HI-Viren überall im Körper vollständig zerstören. Die Medikamente, die zurzeit bei der Behandlung eingesetzt werden, verhindern hauptsächlich die Vermehrung des HI-Virus. Diese Therapie nennt man antiretrovirale Therapie (gegen das Retrovirus gerichtete Therapie). Es werden immer mehrere Medikamente (Kombinationstherapie) eingenommen, die den Prozess der Virusvermehrung an unterschiedlichen Stellen verhindern. Ist die Therapie erfolgreich, kann die Viruslast bis unter die Nachweisgrenze absinken. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Viren mehr im Körper vorhanden sind. Vielmehr ist der Test nicht empfindlich genug, um alle im Blut vorhandenen Viren nachweisen zu können. Gleichzeitig verbleiben immer auch Viren in den Lymphknoten oder im Gehirn, die über den Bluttest nicht erfasst werden können. Weitere Informationen unter: 

www.gib-aids-keine-chance.de/wissen

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14. Wann sollte ich Medikamente nehmen?

Aus medizinischer Sicht wird zurzeit der Beginn einer antiretroviralen Therapie empfohlen, wenn die Helferzellzahl unter 350 liegt oder, unabhängig von der Helferzahl, wenn weitere Kriterien, wie z.B. eine Schwangerschaft oder eine Hepatitis-Coinfektion vorhanden sind. Dafür ist es wichtig, dass du regelmäßig alle 3 Monate zum Check in eine HIV-Schwerpunktpraxis gehst. Die Entscheidung über einen Therapiebeginn sollte immer in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten gefällt werden. Neben den medizinischen Fakten sollte auch deine aktuelle Lebenssituation berücksichtigt werden. Sicher ist, dass eine Medikamententherapie aus unterschiedlichen Gründen sehr anstrengend sein kann. Damit du das durchhältst, ist es wichtig, dass du von dem überzeugt bist, was du tust. Genaue Informationen können dir bei deiner Entscheidung helfen. Möglicherweise hilft dir auch ein Gespräch mit jemandem, der schon eine Therapie einnimmt. Weitere Informationen oder Kontaktmöglichkeiten findest du in einer Beratungsstelle in deiner Nähe 

www.aidshilfe.de/de/adressen

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15. Muss ich immer die gleichen Medikamente einnehmen?

Es ist häufig so, dass nach einer bestimmten Zeit das HI-Virus die Medikamente "austrickst". Das HI-Virus reagiert dann nicht mehr auf das Medikament / die Medikamente, es ist resistent geworden (d.h. das HI-Virus hat Mutationen gebildet, die auf das Medikament nicht ansprechen – damit ist das Medikament wirkungslos geworden). In diesem Fall musst du ein neues Medikament oder sogar eine neue Medikamentenkombination einnehmen. Wenn du eine antiretrovirale Therapie bekommst, ist es u.a. deshalb wichtig, dass du regelmäßig die Tabletten nimmst und bei deinem Arzt/ deiner Ärztin Kontrolluntersuchungen durchführen lässt. Vergisst du häufiger deine Medikamente, ist es für das HI-Virus einfacher den Medikamenten zu widerstehen und resistent zu werden. Da nur eine begrenzte Anzahl an Medikamenten in der HIV-Therapie zur Verfügung steht, ist es wichtig, schnelle Resistenzbildungen zu vermeiden.

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16. Kann ich außer den Medikamenten sonst noch etwas für mich tun?

Ein starkes Immunsystem hat wahrscheinlich mehr Kraft sich gegen das HI-Virus zu wehren. Du kannst das Immunsystem auf unterschiedlichste Weise stärken, z. B über eine gute und ausgewogene Ernährung, Entspannungsübungen oder Sport. Das ist kein Pflichtprogramm. Ein schöner Abend mit Freund_innen oder Tanzen zu gehen, kann sich ebenso positiv auswirken. Rauchen, Alkohol und der Konsum von weiteren Drogen kann deine gesundheitliche Verfassung beeinträchtigen. Finde heraus was dir gut tut.

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III. Arbeit und Beruf

17. Wenn ich mich bewerbe, muss ich dann sagen, dass ich HIV-positiv bin?

Nein, du musst dies im Bewerbungsgespräch nicht sagen. Da die Frage nicht zulässig ist, hat eine Lüge in diesem Fall keine rechtlichen Konsequenzen für dich. Anders verhält es sich bei einem fortgeschrittenen Immundefekt, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Arbeitsunfähigkeit in naher Zukunft groß ist. Der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin darf nach Krankheiten fragen, die zu Einschränkungen am Arbeitsplatz führen. Sollte die Stelle z. B. mit einer starken Reisetätigkeit verbunden sein und zwar auch in Länder, in denen ein Einreiseverbot für HIV-Positive besteht, dann solltest du dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin besser von deiner HIV-Infektion erzählen oder dir überlegen, ob diese Stelle das Richtige für dich ist. Mehr Informationen erwünscht?

www.aidshilfe.de/de/leben-mit-hiv/recht

deutschland.hiv-facts.net

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18. Muss ich meinen Arbeitgeber über eine HIV-Infektion informieren ?

Stehst du bereits in einem Arbeitsverhältnis und bist oder wirst HIV-positiv, so musst du dies dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin nicht mitteilen. Trotz HIV-Infektion kannst du – bis auf wenige Ausnahmen - deinen Beruf weiter ausüben. Nur wenn schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen bestehen, die Auswirkungen auf deine Leistungs- oder Einsatzfähigkeit haben, musst du dies mitteilen. Da HIV im alltäglichen Kontakt nicht übertragbar ist, sind weder deine Kolleg_innen noch Kund_innen am Arbeitsplatz gefährdet. Mehr Informationen erwünscht?

www.aidshilfe.de/de/leben-mit-hiv/recht/

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IV.Kinderwunsch/Schwangerschaft

19. Kann ich als HIV-Positive_r oder an Aids- Erkrankte_r Kinder haben?

Ja, eine HIV-Infektion verhindert keine Schwangerschaft, d.h. wenn du nicht unfruchtbar bist, kannst du Kinder bekommen. Eine HIV-Infektion spricht grundsätzlich nicht gegen eine Schwangerschaft. Auch ist mit entsprechenden Präventionsmaßnahmen die Gefahr einer HIV-Infektion für dein Kind äußerst gering. Bei der Entscheidung für eine Schwangerschaft solltest du immer deine aktuelle gesundheitliche Situation berücksichtigen und mit deinem behandelnden Arzt/deiner Ärztin sprechen. Es kann z.B. wichtig sein, dass du rechtzeitig, d.h. noch bevor du schwanger wirst, bestimmte Medikamente absetzt bzw. wechselst, damit der Fötus nicht geschädigt werden kann. 

www.aidshilfe.de/de/leben-mit-hiv/sexualitaet/

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20. Was sollte ich bei meinem Kinderwunsch bedenken?

Auch unabhängig von deiner HIV-Infektion gibt es eine Fülle von Fragen, beispielsweise: Wie sieht meine berufliche Zukunft mit einem Kind aus? Wie tragfähig ist meine Beziehung? Kann ich mir auch ein Leben als alleinerziehende Mutter/alleinerziehender Vater vorstellen? Auf jeden Fall wird sich dein Leben mit einem Kind völlig verändern. Für jede_n Frau/Mann ist es erst einmal ungewohnt und manchmal auch schwierig Mutter/Vater zu sein. Für eine Entscheidung solltest du dir deshalb genügend Zeit lassen. Weitere Unterstützung findest du hier: www.profamilia.de

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21. Wie kann ich Vater/Mutter werden, ohne meine_n Partner_in zu infizieren?

Unter bestimmten Bedingungen, z.B. wenn du erfolgreich mit einer antiretroviralen Therapie behandelt bist und deine Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt (siehe auch Frage 8.) ist das Risiko einer HIV-Übertragung beim Sex auch ohne Kondom verschwindend gering. Zudem gibt es die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung: Ist der Mann HIV-positiv kann sein Sperma von HI-Viren gereinigt und durch eine künstliche Insemination (=Einbringen von Sperma) zur Befruchtung verwendet werden. Ist die Frau HIV-positiv kann ebenfalls eine Zeugung mithilfe einer künstlichen Befruchtung erfolgen. In diesem Fall gibt es aber auch einfachere Möglichkeiten schwanger zu werden, ohne deinen Partner zu gefährden. So kannst du nach dem Sex den Samen aus dem Kondom möglichst tief in deine Scheide hineinlaufen lassen oder das Sperma mit einer Spritze (ohne Nadel!) in die Scheide spritzen - auch das kann zum Erfolg führen. Mehr Informationen über HIV- positive Frauen/ Kinderwunsch findest du auch im Internet unter

www.aidshilfe.de/de/leben-mit-hiv/

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22. Sind alle Kinder von HIV-positiven Eltern auch HIV-positiv?

Nein. Eine Übertragung des HI-Virus ist nur von der Mutter auf das Kind möglich. Mit den existierenden Vorbeugemaßnahmen (siehe Frage 23.) liegt die Übertragungsrate in Deutschland mittlerweile bei unter 1%. Wissenschaftlichen Studien zufolge liegt die Übertragungsrate ohne Einsatz solcher präventiven Maßnahmen (Vorbeugemaßnahmen) in Europa bei 15% bis 20%, in Afrika zwischen 25% und 45%.

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23. Wie können sich Kinder infizieren?

Während der Schwangerschaft sind der Blutkreislauf der Mutter und der des Kindes voneinander getrennt, so dass das größte Infektionsrisiko während der Wehen, der Geburt oder bei Komplikationen, z.B. dem vorzeitigen Platzen der Fruchtblase besteht. Hierbei kommt das Kind direkt mit dem Blut und anderen Körperflüssigkeiten der Mutter in Kontakt. Aus diesem Grund werden in Deutschland teilweise eine vorzeitige Kaiserschnittentbindung und immer die Gabe von antiretroviralen (d.h. gegen das Retrovirus HIV gerichteten) Medikamenten in der Schwangerschaft und unter der Geburt empfohlen. Aufgrund der guten Therapiemöglichkeiten können HIV-positive Schwangere in Deutschland inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen auch vaginal entbinden. Das Kind wird nach der Geburt ebenfalls für 4 Wochen medikamentös behandelt. Da durch die Muttermilch das HI-Virus übertragen werden kann, wird den Müttern vom Stillen ihrer Kinder abgeraten. Durch diese vorbeugenden Maßnahmen konnte das Übertragungsrisiko in Deutschland auf unter 1% gesenkt werden.

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V. Lebensperspektive

24. Soll ich meine Freund_innen informieren?

Leider ist es immer noch so, dass viele Menschen Angst und Vorurteile vor HIV/Aids haben. Deshalb ist es verständlich, wenn du zögerst anderen gegenüber deine Infektion offenzulegen. Überlege aber einmal, ob es dich nicht erleichtern würde, wenigstens eine Vertrauensperson in deinem Umfeld zu haben. Es ist auf jeden Fall gut, sich genau zu überlegen, wen du in dein Vertrauen ziehst. Du hast auch die Möglichkeit, dich mit anderen HIV-positiven Jugendlichen über deren Erfahrungen auszutauschen und dich mit einer Beratungsstelle in deiner Nähe in Verbindung zu setzen 

www.gib-aids-keine-chance.de/beratung/

www.aidshilfe.de/de/adressen

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25. Wen muss ich über meine HIV-Infektion informieren?

Grundsätzlich musst du niemanden über deine HIV-Infektion informieren. Da HIV im Alltag bzw. bei Alltagskontakten nicht ansteckend ist, muss du das weder in deiner Schule noch im Sportverein o.ä. sagen. Ob und wen du informierst, bleibt immer deine Entscheidung. Allerdings macht es großen Sinn, neben deinem HIV-Schwerpunktarzt/deiner HIV-Schwerpunktärztin auch anderen behandelnden Ärzt_innen, wie Gynäkolog_innen oder Sportärzt_innen von deiner Infektion zu berichten, da deine Beschwerden durchaus mit HIV oder deiner eingenommenen ART in Verbindung stehen könnten. Auch hat jeder Mensch, unabhängig von HIV, die moralische und gesetzliche Pflicht, andere durch sein Verhalten weder zu gefährden noch zu verletzen. Das bedeutet für dich, dass du dafür sorgen musst, dass z.B. beim Sex kein Übertragungsrisiko entsteht, indem du z.B. ein Kondom benutzt. Kannst du ein Übertragungsrisiko nicht ausschließen, weil z.B. das Kondom gerissen ist oder die Arzthelferin sich beim Blutabnehmen an der Nadel verletzt hat, musst du in dem Moment deine Infektion offenlegen. Besonders vor dem Hintergrund, dass in diesen Situationen durch die schnelle Gabe von antiretroviralen Medikamenten eine mögliche Ansteckung erfolgreich verhindert werden kann.

www.aidshilfe.de/de/sich-schuetzen/

Grundsätzlich hat jede_r die Verantwortung sich vor HIV oder anderen Krankheiten zu schützen. Zumal manche die Infektion weitergeben, da sie selbst noch gar nichts von ihrer Infektion wissen. Wenn du jedoch Kenntnis davon hast und nicht sorgsam damit umgehst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dir im Streit- oder Schadensfall gesellschaftlich, oft auch strafrechtlich eine größere Verantwortung übertragen wird. Bei Fragen kannst du dich telefonisch oder bei einer Aids-Beratung in deiner Nähe beraten lassen 

www.gib-aids-keine-chance.de/beratung/

www.aidshilfe.de/de/adressen

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26. Wie lange lebe ich noch?

Dank der antiretroviralen Therapie geht man inzwischen davon aus, dass HIV-positive Menschen eine ähnlich hohe Lebenserwartung haben wie Menschen ohne HIV. Trotz HIV liegt also dein Leben noch vor dir und du kannst deine Zukunft planen und gestalten. Allerdings darfst du nicht vergessen, dass du eine chronische Erkrankung hast, die bestimmte Behandlungen und Verantwortlichkeiten mit sich bringt. Heutzutage hast du gute Chancen, lange gesund zu bleiben.

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